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MYSTIZISMUS

27.11.2006
Jubiläumsveranstaltung Der Rückblick

02.05.2006
Daniil Andrejew und der Tod Aus: Prof. Dr. Wolfgang Kasack

26.02.2006
F. M. Chorkow Daniil Andrejew im Jahre 1943

10.02.2006
Daniil Andrejew an Alla Andrejewa. Briefe aus dem Kerker.

13.11.2005
Mein Weg zu Daniil Andrejew und „Rosa Mira“ Zur Übersetzung ins Deutsche. Björn Seidel-Dreffke (aus dem Vortrag bei der Buchpräsentation)

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Björn Seidel-Dreffke

Russische Mystik und „Rosa Mira“

„Mystik“ und „Mystizismus“ sind zwei relativ schwer zu fassende Begriffe. Im Gegensatz zur Philosophie, die größtenteils auf logischen Schlüssen beruht, ist eine eindeutige Definition hier weitaus schwieriger. Im Folgenden soll eine Abgrenzung und Standortbestimmung dahingehend erfolgen, dass dem im Deutschen weniger negativ konnotierten Begriff „Mystik“ hier der Vorzug gegeben wird. Während im Russischen „mystika“ und „mystizism“ relativ neutral nebeneinander koexistieren, impliziert „Mystizismus“ im Deutschen eher eine abwertende Bezeichnung für schwärmerischen Wunderglauben. Mystik hingegen verweist auf eine bestimmte, wenn auch immer wieder von anderen Denkkonzepten kritischer Betrachtung unterzogene Tradition von Spiritualität.

Mystik bezeichnet eine Grundform spirituellen Erlebens, die darauf gerichtet ist, eine direkte Verbindung des menschlichen Ich mit dem Göttlichen zu erfahren und durch bestimmte Techniken (Meditation, Versenkung, Ekstase etc.) Einsichten und Visionen in die transzendenten, sowohl logischen Schlüssen als auch religiösen Spekulationen verborgenen Schichten des Seins zu erhalten. Verschiedene Autoren betonen bei ihren Überlegungen darüber, was denn nun Mystik sei, unterschiedliche Aspekte des Begriffs und entwerfen im Hinblick auf neueste Entwicklungen den Begriffsinhalt weiter. Laut A. Rosner:

„Dort, wo der Bereich der hohen Kunst, der exakten Wissenschaft und des gesunden Menschenverstandes aufhört, hinter diesen Sphären tut sich nicht die undurchdringliche Dunkelheit und auch nicht der Abgrund der Abgründe auf, sondern es beginnt eine neue, besondere Welt – jene, die uns in unseren Träumen, Märchen, Mythen und Legenden gegenübertritt und von der geheimnisvolle Symbole und Allegorien zeugen – die Zwischensphäre, das ‚Twilight’ – öffnet sich die Tür und erhebt sich eine Treppe hin zum Unsichtbaren, Unaussprechlichen ...“[1]

In Bezug auf die Evolution mystischen Denkens in der Neuzeit schreibt A. Nikitin:

„Andererseits fasste man Mystik schon nicht mehr nur als persönliche Erfahrung der Kommunikation mit der Gottheit als Resultat der Erleuchtung (Gnade) oder einer Ruhmestat (Belohnung) auf, sondern als Hinwendung des Menschen zum Rätsel seines ‚Inneren Selbst’, seiner Stellung in der Welt im Bezug auf die ihn umgebenden Menschen, die Natur, das Universum, den gesamten Weltenbau, der eine bestimmte Struktur aufweist, die gleichzeitig die Erscheinung (‚Willensentäußerung’) der Gottheit selbst impliziert.“[2]

Historisch betrachtet ist allerdings die mystische Erfahrung so alt wie menschliches spirituelles Erleben an sich. Die vor allem das europäische Mittelalter prägende und da zu einem Höhepunkt gelangte christliche Mystik war maßgeblich vom Neuplatonismus und anderen antiken Geistesströmungen beeinflusst. Sie kulminierte u. a. in der Mystik von Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Nikolaus von Kues, Erasmus von Rotterdam, Nicole de (oder Nicolas) Malebranche, Spinoza etc. Eine neue Qualität mystischen Erlebens und artikulierter mystischer Erfahrung markierten Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert. Christliche Mystik wurde nun von anderen, sich stark an östlichen Vorstellungen (Buddhismus, Hinduismus) orientierenden mystischen Strömungen ergänzt, zum Beispiel die Theosophie H. P. Blavatskys (E. P. Blawatskajas). Dies führte einerseits zu einer heftigen Polemik, andererseits aber auch zu einer rasch anwachsenden Zahl neuer Visionäre, die neue Einsichten hervorbrachten.

Eine besondere Rolle spielte hier die russische Mystik und in diesem Kontext ist wiederum das Schaffen Daniil Andrejews als ein einzigartiger Höhepunkt auszumachen. Er entwarf nicht nur grandiose Zukunftsvisionen und eine geschlossene Kosmologie und Anthropogenie, sondern äußerte sich auch in seinem Hauptwerk „Rosa Mira“ („Die Weltrose“) dazu, welche Potenzen er speziell in mystischen Erfahrungen erblickte. Um aber Andrejews Visionen, der unsere Website hauptsächlich gewidmet ist, besser verstehen und einordnen zu können, sollen die nachfolgend dargestellten Problemfelder an dieser Stelle kurz umrissen werden:

Daniil Andrejew zu Möglichkeiten des mystischen Erkenntnispfades
Russische christliche Mystik
Russische „unorthodoxe" Mystik
Zwischen Mystik und Wissenschaft
Russische Mystik zu Sowjetzeiten
Daniil Andrejew – Mystik in „Rosa Mira“

 1. Daniil Andrejew zu Möglichkeiten des mystischen Erkenntnispfades

 „Rosa Mira“, aus dem Buch XI, Kap. 2:

 „Im menschlichen Wesen – nicht nur in dessen physischem Leib, sondern im gesamten andersstofflichen Konglomerat seines Wesens – sind solche Potenzen angelegt, deren Entwicklung die Reichweite unserer Nutzung der Materienarten unendlich erweitern würde und welche völlig das Verhältnis von Mensch und Raum, Mensch und Zeit, Mensch und Natur, Mensch und anderen Daseinsschichten verändern könnte. Für das Problem der Luftfahrt gibt es andere Lösungen als das Flugwesen. Den Kampf gegen die Krankheiten und für die Erhöhung einer durchschnittlichen Lebenserwartung kann man auch mit völlig anderen Methoden als die der heutigen Medizin führen. Eine schnelle Fortbewegung und die Kommunikation über große Entfernungen hinweg sind bei weitem kein Monopol der Wissenschaften, die sich mit der Optimierung von Transportmöglichkeiten und Kommunikationsmitteln befassen. Zum Beispiel die Fähigkeiten zu fliegen, räumliche Entfernungen mit kaum vorstellbarer Geschwindigkeit zurückzulegen, über große Distanzen hinweg zu kommunizieren, durch dichte Materie hindurchzugehen, Krankheiten zu heilen, das menschliche Leben um das Zwei- oder Dreifache zu verlängern, Wesenheiten aus anderen Schichten zu begegnen, transphysische Panoramen wahrzunehmen, Lebenskräfte nicht durch Nahrung, sondern durch Ausstrahlungen lichter Stichialien und durch Einatmen von Wohlgerüchen aufzunehmen – all diese Fähigkeiten, wie auch vieles andere mehr, sind als Keime in der Tiefe unseres Wesens angelegt. Als ordinär, lächerlich plump, vulgär, schwerfällig, primitiv, abstoßend, seelenlos und, wie sonderbar es auch anmuten mag, unrationell würden die technischen Errungenschaften unserer Tage wie Düsenflugzeuge, Fernsehgeräte oder kybernetische Anlagen jenem erscheinen, der den engelhaften Flug, das geistige Sehen und die augenblickliche Durchführung kompliziertester Berechnungen vom Menschen selbst erahnt, allein dank der Entfaltung dessen Fähigkeiten, die im Gehirn, im physischen, ätherischen und astralen Leib schlummern. Die durchgeistigte weise Schönheit der Vogelflügel und der tote Glanz von blank geputzten Tragflächen eines Flugzeugs sind nicht so weit voneinander entfernt wie die konkreten Resultate der menschlichen Entwicklung auf den beiden miteinander kontrastierenden Wegen. Die Magie des Altertums und später einige Richtungen in der östlichen philosophischen Praxis haben die Frage über die Erschließung dieser Potenzen lediglich tangiert. Dieser Pfad ist beinahe unerforscht, außerordentlich arbeitsintensiv und trägt nur infolge einer langen, von Generation zu Generation weitergegebenen Tradition Früchte. Seine besondere Schwierigkeit besteht darin, dass eine solche Praxis mit dem allgemeinen geistigen Wachstum der Persönlichkeit, mit der Anhebung ihres moralischen Niveaus und Überwindung all ihrer Trübungen verbunden sein muss. Die Magie des Altertums konnte nicht weit vorankommen, da sie die Verbindung von magischer Praxis und Ethik unterschätzte. Wird die Erstere den egoistischen Motiven unterstellt, so stagniert die Bewegung in den meisten Fällen. Die Fortschritte gelingen dann nur um den Preis der Dämonisierung des Schältes, mit allen daraus resultierenden jenseitigen Folgen.

In späteren kulturhistorischen Stadien, im Schoße hoch entwickelter Religionen berührten viele Strömungen und Schulen diese Problematik auf die eine oder andere Weise, sowohl der Pythagoreismus als auch die Kabbala sowie das Mönchtum des östlichen Christentums, des Taoismus und des Lamaismus. Es scheint, als seien es die indischen Yogis gewesen, die in sich bewusster als alle anderen gerade jene Potenzen zu entwickeln suchten. Dabei war ihnen die Verbindung einer solchen Arbeit mit persönlicher Ethik schon völlig klar. Doch die Absage eines Yogi an viele allgemeinmenschliche Bedürfnisse und strengste Selbstdisziplin verhinderten die Einbeziehung breiter Massen in diese Bewegung. Es ist allerdings durchaus zweifelhaft, ob für die Entfaltung dieser Potenzen, von jeweiliger Epoche und Kultur einmal abgesehen, tatsächlich jene äußerste Askese die einzige Möglichkeit ist. Die heutige Zeit würde von uns wohl nicht solch qualvolle Abtötung des Fleisches verlangen, wie es die Vergangenheit von Isaak dem Syrer und anderen Mönchen seiner Epoche oder von den indischen Einsiedlern forderte. Heute gelten vereinfachte Bedingungen, die den Vorstellungen von weltlicher Gerechtigkeit ähneln oder zur alltäglichen Lebensordnung südbuddhistischer Gemeinden tendieren würden, welche streng und rein ist, der Abtötung des Fleisches aber ablehnend gegenübersteht.

In den Metakulturen des Altertums, Byzanz eingeschlossen, hat die Gesellschaft noch nicht die endgültige Wahl zwischen diesem Entwicklungsweg und jenem anderen getroffen, den man der Kürze halber den wissenschaftlich-technischen nennen kann. Sicher, im Panorama des Altrömischen Imperiums sind Zeichen dessen ersichtlich, dass schon damals im Bereich des gesellschaftlichen Tagesbewusstseins fast nichts mehr von den Ideen des ersten Entwicklungstypus übrig blieb; diese wurden zum Gemeingut esoterischer und halbesoterischer Gesellschaften, mystischer Kulte, einiger Kreise der Priesterschaft. Jedoch konnten die sozialökonomischen Bedingungen des Alten Rom, Byzanz, selbst des westlichen Mittelalters noch nicht zum raschen Fortschreiten der Gesellschaft auf dem zweiten Pfad führen. Als Grenze kann man ungefähr das 15. Jahrhundert ausmachen – eine Epoche, die sich von der Entdeckung des Schießpulvers und des Buchdrucks bis hin zur Entdeckung Amerikas und Indiens erstreckte und in dadurch hervorgerufenen kolossalen ökonomischen und psychologischen Verwerfungen kulminierte.

Wie soll man vom metahistorischen Standpunkt aus die Wahl des Weges werten, die von der westlichen Menschheit getroffen wurde und später die Richtung der geistigen Tätigkeit auch in anderen Metakulturen prägte? Wenn die Mission des Christus nicht abgebrochen worden wäre, dann hätte die Menschheit einen mächtigen Impuls für die Fortbewegung auf dem geistigen Pfad erhalten. Eben dann wären die Methoden entdeckt und angeeignet worden, die es gestattet hätten, auf jenen Pfad Völker zu ziehen, anstelle der einzelnen Individuen, die auf ihn in Indien und in den Ländern des Buddhismus gebracht werden. Bei weitem größer und für alle sichtbar wären auch die Erfolge der Generationen gewesen. Dies wäre ungefähr damit zu vergleichen, wie sich der Umfang wissenschaftlicher Errungenschaften im Altertum, wenn daran nur einzelne Menschen arbeiteten, von dem jetzigen unterscheidet, da Millionen in dieser Richtung tätig sind.“

 2. Russische christliche Mystik

Russische christliche Mystik strebte wie die gesamteuropäische auch vor allem hin zur Vereinigung mit Gott, zur direkten Gotteserkenntnis, zur sogenannten „Unio mystica“. Die originäre Form der russischen mittelalterlichen Mystik war der Hesychasmus. Es handelte sich dabei um eine christliche, mystisch-asketische Bewegung des Orients, die im 4. – 7. Jahrhundert in Ägypten bei den Eremitenmönchen entstanden war und später vor allem durch den Theologen Gregor Palamas in Byzanz verbreitet wurde. Insgesamt entwickelte sich der Hesychasmus zu einer der stärksten christlich-asketischen Traditionen. Er erlebte schließlich besonders seit Beginn des 14. Jahrhunderts eine vorwiegend starke Verbreitung in Russland, da zu dieser Zeit auch der Kontakt zwischen den russischen Fürstentümern und Byzanz erneut stark gefestigt wurde. Da der Hesychasmus den Weg geistiger Erneuerung durch die Umgestaltung des ganzen Menschen sah und damit auch neue Perspektiven für die durch die politischen Verwerfungen Gebeutelten, wurde er bald sehr populär.

Als ein Zentrum des Hesychasmus entwickelte sich unter Leitung des Abts Sergius von Radonesch das Dreifaltigkeitskloster (Troize-Sergijewa Lawra in Sergijew Possad). Schon damals verfehlte diese mystische Bewegung auch den Einfluss auf die Kunst nicht, wobei besonders die Ikonenmalerei breite Inspirationen erfuhr.

Eine erneute Renaissance erfuhr der Hesychasmus im Russland des 18. Jahrhunderts, wobei nun besonders einzelne Persönlichkeiten zu seinen Beförderern wurden. So entwickelte zum Beispiel Tichon von Sadonsk (Timofei Sokolowski) eine spezielle mystische Ethik. Der Metropolit Platon (Pjotr Lewschin) half, das Kloster Optina Pustyn wiederzubeleben, welches dann im 19. Jahrhundert zum nationalen Zentrum des orthodoxen Starzentums wurde.

Starzentum und Hesychasmus stehen in engem Zusammenhang, sind aber nicht miteinander gleichzusetzen. Das Starzentum kann ebenfalls als eine originär russische Erscheinung der christlichen mystischen Suche bezeichnet werden. Das Hauptziel des christlichen religiösen Lebens wird im Starzentum in einer mystischen Erkenntnis des Heiligen Geistes gesehen. Eine große Rolle spielen hier ebenfalls Askese und Frömmigkeit, die einerseits auf Selbstvervollkommnung zielen, aber andererseits auch auf geistige Unterweisung jener, die Hilfe und Rat beim Starez suchen. Der Starez nimmt nicht nur „zwischen den Welten“, zwischen der hiesigen und jenseitigen, sondern auch im Kloster eine Sonderstellung ein. Es handelt sich gewöhnlich um einen zum Priester geweihten Mönch, der aber auf seine organisatorische Eingliederung in die Klosterhierarchie verzichtet und sein Lebensziel einerseits in der Hinwendung zum Transzendentalen, Erfahren des Göttlichen sieht, andererseits aber auch im Wirken in der Welt, indem er den Gemeindemitgliedern und anderen Ratsuchenden geistige Hilfe zuteil werden lässt.

Starzen als geistige und geistliche Berater hatten vor allem im 19. Jahrhundert einen großen Einfluss auf Intellektuelle, Künstler etc. Der wohl bekannteste Vertreter des Starzentums in diesem Zusammenhang war zweifellos Serafim von Sarow, dessen geistiges Erbe auch für Daniil Andrejew eine große Rolle spielte. Täglich drängten Hunderte von Besuchern zu ihm, die geistigen Beistand und Hilfe von ihm erbaten. Die Liste jener, die er inspirierte, ist lang: Alexander Puschkin, Michail Lermontow, Fjodor Tjutschew, Nikolai Jasykow, Fjodor Glinka, Nikolai Gogol, Iwan Schmeljow, Wassilij Rosanow, Sergej Bulgakow, Wladimir Solowjew.

Die christlich-mystische Suche des Starzentums in Russland und dessen Popularität im 19. Jahrhundert muss man auch als eine Möglichkeit begreifen, die verkrusteten, oftmals zu starren Dogmen geronnenen Glaubensgrundsätze der orthodoxen Kirche aufzubrechen und zu neuen, zeitgemäßen Erkenntnissen über das eigene Ich und die Welt zu gelangen. Die hereinbrechende Moderne stellte neue Anforderungen an den Menschen, stellte ihn vor neue Probleme, während der orthodoxe Klerus nur in die Vergangenheit verwies, ohne wirklich neue gangbare Wege aufzuzeigen.

Die russische christliche Mystik brachte eine Persönlichkeit hervor, die selbst vom Starzentum inspiriert, schließlich vom Charisma her auch als eine Art „philosophischer Starez“ gesehen werden kann. Gemeint ist hier Wladimir Solowjew (1853 – 1900). Sein philosophischer Erkenntnisweg ist unverständlich, wenn man nicht auch seine mystischen Erkenntnisse in Betracht zieht, obgleich die Letzteren ihm sowohl von der akademischen Philosophie als auch von der offiziellen Orthodoxie immer wieder Kritik einbrachten. Da Solowjews Einsichten auch Daniil Andrejew besonders inspirierten, sei an dieser Stelle etwas näher darauf eingegangen (zu seiner Philosophie siehe Rubrik: „Russische Philosophie“).

Solowjews geistige Suche wurde schon seit sehr frühen Jahren von mystischen Visionen begleitet und ergänzt. Dreimal erschien ihm im Laufe seines Lebens die Verkörperung der göttlichen Weisheit, des weiblichen Aspekts der Gottheit – Sophia. Solowjew ist damit einer der ersten philosophischen Visionäre der Neuzeit, die Weiblichkeit in der Geistigkeit wiederentdeckten. Besonders eindrucksvoll beschreibt er diese Zusammentreffen mit Sophia in seinem Gedicht „Drei Begegnungen“ (1898):

„Vom goldenen Himmelblau durchwebt,
Die Blume nichthiesiger Länder in der Hand
Standst Du vor mir. Ein Lächeln hatte auf die Lippen sich gelegt.
Du nicktest und verschwandest in der Nebelwand ...“[3]

Aber es ist nicht nur die Konzentration auf die göttliche Weisheit, die Solowjews mystische Suche ausmacht. Bekannt geworden ist er vor allem auch für seine Zukunftsvision, die mit der Herrschaft und schließlich Überwindung des Antichristen zusammenhängt, dargelegt in seiner „Erzählung über den Antichristen“ (1899 – 1900). Gerade diese Erzählung dürfte Andrejew in seiner apokalyptischen Vision inspiriert haben. Der Antichrist ist als solcher eben auch nicht sofort zu erkennen, gibt sich als moderner Neuerer aller Normen, verfasst sogar ein „liberales“ Werk „Offener Weg zum allgemeinen Frieden und Wohlstand“. Ist es bei Andrejew Lilith, die dem Antichristen zur Seite steht und hilft, die Menschen zu verwirren, so ist es bei Solowjew ein Magier, nämlich Apollonius, der die Menschen durch seine Wundertaten einwickelt. Während bei Andrejew die Weltweiblichkeit sich in ihren beiden Aspekten manifestiert, einmal im negativen als Lilith und zum anderen im positiven als Swenta-Swentana, sieht Solowjew das weibliche Prinzip über aller Spaltung, als Einheit, als wahre Rettung der Menschheit.

3. Russische „unorthodoxe“ Mystik

Zu den wichtigsten Vertretern einer Mystik, die sich auch an nichtchristlichen Traditionen orientierte, gehört zweifellos E. P. Blawatskaja (H. P. Blavatsky; 1831 – 1891). Die von ihr begründete theosophische Lehre erlangte internationale Popularität (zu Lebenswerk und Lehre Blawatskajas siehe: www.blavatskaja.de).

Blawatskajas mystische Suche bezog sich nicht auf die sofortige Vereinigung des Menschen mit dem Göttlichen. Dies sollte erst der zweite Schritt nach der Vereinigung des Menschen mit dem eigenen göttlichen Ego sein. Das theosophische System stellte sich die menschliche Persönlichkeit selbst aus verschiedenen geistigen Prinzipien zusammengesetzt vor. Das oberste Prinzip – das Ego – emaniert dabei aus der Göttlichen Monade und bringt seinerseits wieder Seelen hervor, die sich zu konkreten menschlichen Persönlichkeiten entwickeln. Diese werden immer wieder vernichtet, das Ego aber bleibt erhalten und nimmt die Erfahrungen der einzelnen, personengebundenen Erdenleben in sich auf. Ziel des menschlichen Bewusstseins sei die Wiedervereinigung mit dem „Ego“ und schlussendlich mit der göttlichen Monade.

Damit entspricht in gewisser Weise Selbsterkenntnis der Welterkenntnis. Dieser Weg mystischer Suche ist kennzeichnend für die Moderne, in der die Erkenntnis des eigenen Ich immer wichtiger wird.

Zu den von den Vorstellungen E. P. Blawatskajas inspirierten russischen Mystikern des Beginns des 20. Jahrhunderts gehören Nikolai Rerich (N. Roerich, 1874 – 1947; siehe www.blavatskaja.de/roerich.htm) und seine Frau Elena Rerich (H. Roerich, 1869 – 1955). Nikolai Rerich beschäftigte sich schon von frühester Jugend an mit Geschichte, Ethnographie, Philosophie und Malerei. Eine besondere Beziehung entwickelte er zu den östlichen Religionen, was in ihm den Wunsch aufkeimen ließ, den Osten auch persönlich zu bereisen. Weltweit bekannt geworden sind die Berichte und auch Bilder von seinen Reisen in die schneebedeckten Gipfel des Himalajas. Begleitet und wiederum inspiriert wurde er dabei von seiner Frau Elena. Bis heute wirksamster geistiger Ertrag dieses besonderen geistigen Zusammenwirkens eines Paares bildet das mehrbändige Werk „Agni Yoga. Lebendige Ethik“.

Geistiges Credo des Werkes ist der Aufruf an den Menschen, sich den lichten Kräften des Universums anzuschließen, „eine neue Geistigkeit“ zu entwickeln, die ihre Kraft vor allem aus Freude schöpfen soll. Die gewaltvolle Unterdrückung des eigenen Selbst und die daraus resultierende Frustration könne höchstens negative Emotionen und Aggressionen hervorrufen. Wichtig sei die Harmonisierung zwischen dem Selbst und den lichten Bestrebungen des Universums. Rerichs’ Lehre geht über die Synthese und Präsentation der esoterischen Information hinaus und hat den Anspruch, auch eine Zusammenfassung der positiven moralischen Erfahrungen von der antiken angefangen bis zu den heute existierenden Religionen zu liefern.

Bekannt sind Rerichs schließlich ja auch für ihr praktisches Engagement auf der internationalen Ebene geworden. Bereits während des russisch-japanischen Krieges in den Jahren 1904 bis 1905 entwickelte Nikolai Rerich eine Idee, dass die historischen Kulturgüter aller Völker durch ein internationales Abkommen geschützt werden müssten. Erst im Jahre 1954 wurde die internationale Konvention „Zur Verteidigung der Kulturgüter in Kriegszeiten“ unterzeichnet, welcher der so genannte Rerich-Pakt von 1935 zugrunde liegt. Die Theorie soll also mit einer auf die Verbesserung der bestehenden Gesellschaft ausgerichteten Praxis verbunden sein. Ein Gedanke, der zweifellos auch für Daniil Andrejew inspirierend war.

4. Zwischen Mystik und Wissenschaft

Die Moderne war gekennzeichnet von einem Aufstieg der Wissenschaft zu einer Art neuer „seligmachender“ Ideologie, welche auch die autoritären geistigen Strömungen der Vergangenheit, wie eben auch religiöse Glaubensformen, immer mehr (jedenfalls in Europa und Amerika) in den Hintergrund treten ließ. Die Angriffe der Wissenschaften selbst zielten dabei allerdings weniger auf die Religionen ab, deren Glaubenssätzen viele Wissenschaftler weiter anhingen, dabei in sich selbst eine gerade noch zu duldende Spaltung zwischen rationalem Erklären der Welt und dem Glauben an Übersinnliches akzeptierend. Einen besonders schweren Stand aber hatte fortan die mystische Suche, die in dem Bereich des Unwägbaren eben jene Zwischenbereiche ausleuchtete, welche die Wissenschaft, da mit ihren Methoden nicht zu erklären, lieber ganz ausklammerte.

Allerdings gab es durchaus Mystiker, aber auch Wissenschaftler, die versuchten, diese Kluft zu überwinden oder gar zu schließen, und dabei Möglichkeiten einer fruchtbaren Suche in beiden gleichberechtigt nebeneinander stehenden Schichten aufzeigten.

Eine der bekanntesten Figuren des 20. Jahrhunderts, die Mystisches und Wissenschaftliches zu vereinen trachtete, war Georgij Gurdschiew (1873 – 1949). Dieser unternahm bereits von frühester Jugend an Reisen in den Osten (besonders Asien) und suchte in den alten Symbolen östlicher Religionen die „eine Wahrheit“. Auch für ihn repräsentierten verschiedene religiöse Systeme und Gedankengebäude nur unterschiedliche Ausformungen des „einen verborgenen Seins“ des Universums. Seine Aufmerksamkeit aber richtete sich immer mehr auf den Menschen, auf dessen Vervollkommnung. Er gründete in den 20er Jahren das „Institut zur harmonischen Entwicklung des Menschen“, welches bis 1949 Bestand hatte.

In Bezug auf die Beschreibung des Ist-Zustandes der menschlichen Persönlichkeit war sein Weltbild völlig vom mechanisch-technischen Weltverständnis geprägt, welches zu Beginn des 20. Jahrhunderts die gesamte russische Avantgarde entscheidend beeinflusst hatte. Gurdschiew verneinte die Vorstellung, der Mensch verfüge über ein einheitliches „Ich“, sah dessen Konstitution im Gegenteil abhängig von der jeweiligen äußeren Situation. Allerdings ging Gurdschiew davon aus, dass der Mensch dieses „Maschinendasein“ durchaus überwinden könne. Er müsse sich dafür aber von seiner Ich-Bezogenheit befreien, über das eigene „kleine Selbst“ hinauswachsen und lernen, das Göttliche wahrhaftig in sich selbst aufzunehmen. Durch verschiedene Übungen (auch Tänze) bzw. unter anderem durch schwere körperliche Arbeit, die man gleichzeitig „von der Seite betrachten“ sollte, müsse es gelingen, die „mechanische Verbindung“ mit dem alltäglichen Sein zu zerreißen und einen Einblick in die wahre Natur des Universums zu erhalten. Dabei solle es gelingen, sich einer Sache ganz hinzugeben, nicht mehr Dinge ständig miteinander zu vergleichen und so die Zersplitterung im Innern und damit auch im Außen zu überwinden.

Konstantin Ziolkowski (1857 – 1935) wird oft als „Vater der Raumfahrt“ bezeichnet. Meistens reflektieren Bücher über ihn vor allem seine technischen und wissenschaftlichen Überlegungen. Dabei muss man aber auch in Betracht ziehen, dass der eigentliche Stimulus seiner Suche auf diesen Gebieten seine mystische Weltsicht war. Ziolkowski war von der Beseeltheit aller Dinge im Universum überzeugt. Dabei ging er davon aus, dass das Universum ausschließlich aus einer aus Atomen gebildeten Materie bestünde. Allerdings sei jedes dieser Atome mit Verstand und Sensibilität ausgestattet. Hier lägen schon die Ursprünge eines elementaren „Ich-Empfindens“ verborgen, welches sich dann über verschiedene Stufen (z. B. Einzeller, Tierreich) bis hin zum Menschen entwickele. Der Mensch aber sei zur Freiheit geboren und dazu aufgerufen, die Welt und sich selbst ständig neu zu schaffen, schöpferisch weiter zu entwickeln.

Gleichzeitig baute Ziolkowski aber auch auf die unendlichen Möglichkeiten der Biologie, wobei durch eine Verbesserung des menschlichen Erbgutes auch eine Verbesserung der menschlichen Eigenschaften erzielt werden könne. Hier zeigen sich auch Berührungspunkte mit Andrejews Ideen, der zum Beispiel der Umgestaltung des Tierreiches einen großen Stellenwert zuwies. Letztendlich aber sollte die physische Natur des Menschen vollends überwunden werden und am Ende eine Art Lichtmensch ohne materielle Bedürfnisse entstehen.

Um diesen Abschnitt abzuschließen, sei nochmals darauf hingewiesen, dass die russischen Mystiker des 20. Jahrhunderts (auch Andrejew) darauf abzielten, die bisher bekannte physische Natur des Menschen zu verbessern und schließlich zu überwinden. Die russische „wissenschaftliche Mystik“ versuchte, dem vor allem wissenschaftlich fundierte Methoden zur Seite zu stellen.

5. Mystik zu Sowjetzeiten

Lange Zeit wurde in der einschlägigen Literatur davon ausgegangen, dass bald nach der Oktoberrevolution, spätestens aber nach vollständiger Etablierung der sozialistischen Ideologie und dem Verbot jeglicher der materialistischen Doktrin entgegengesetzten Einrichtungen, vor allem die esoterischen Gruppen aus dem gesellschaftlichen Gesamtbild verschwunden seien und die russische Mystik bis in die 1990er Jahre hinein höchstens einige wenige Suchende unter ihrem Dach vereinte. Doch beginnende Forschungen in KGB- und Parteiarchiven zeigen, dass es einen mystischen Hintergrund, ja eine „mystische Subkultur“ durchaus in Sowjetrussland gegeben hat. Vielfach stehen genaue Forschungen dazu noch aus.

Es zeigt sich aber, dass Gruppen von Freimaurern, Theosophen, Anthroposophen, Rosenkreuzern und Templern ständig aktiv blieben, in Zeiten politischer Repression (besonders in den 1930er Jahren) harten Verfolgungen ausgesetzt waren, niemals aber ganz aus den gesellschaftlichen Strukturen verschwanden. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist der Umstand, dass die verschiedenen russisch-sowjetischen Gruppierungen einen sehr originären Charakter hatten. Fast jeglichen Kontaktes zu entsprechenden Organisationen im westlichen Ausland beraubt, besannen sie sich verstärkt auf Traditionen, übersetzten sie mystische Texte und versuchten eigene „Schulen“ zu generieren, die den Anspruch hatten, sich an den ursprünglichen Weisheitsquellen zu orientieren.

Eine Sonderstellung innerhalb der russischen Mystik zu Sowjetzeiten nimmt zweifellos die christliche Mystik ein. In etwas besserer Lage als die übrigens mystisch Suchenden, im gewissen Rahmen im Schutze der orthodoxen Kirche gedeihend, aber auch mit dieser ringend, gab sie nicht wenigen Gläubigen wichtige geistige Impulse. Genannt sei hier stellvertretend der charismatische Alexander Men (1935 – 1990). Seine bis heute nicht völlig geklärten tragischen Todesumstände ließen allerdings seine mystische Aura um die des Märtyrers anwachsen.

Men war in Kirchenkreisen vor allem dafür bekannt, dass er die Evangelien mit ihren historischen Quellen versuchte zu vergleichen, um hier Übereinstimmungen oder auch Diskrepanzen aufzudecken. Für Men bildete Christus eine Art metaphysisches Zentrum des Universums, Sinn und Ziel der gesamten Weltentwicklung. Den Lebensweg des Menschen betrachtete er als Hinstreben der einzelnen menschlichen Seelen zur Vereinigung mit der Weltseele, der einheitlichen ursprünglichen Seele, aus der die Menschheit hervorgegangen, aber dann der Zersplitterung anheim gefallen sei. Diese Vorstellung korrespondiert zweifellos mit den Vorstellungen von der Weltseele bei Wladimir Solowjew. Wichtig war aber auch das konkrete gesellschaftliche Engagement Mens. Wie Andrejew und viele andere Mystiker suchte er auch das Gemeinsame zwischen den einzelnen Religionen und trat für den lebendigen Dialog zwischen den unterschiedlichen Konfessionen ein.

6. Daniil Andrejew – Mystik in „Rosa Mira“

Ohne apologetisch zu sein oder zu übertreiben, kann man Daniil Andrejew (1906 – 1959) als einen der bedeutendsten russischen Mystiker des 20. Jahrhunderts bezeichnen und dazu als den einzigen, der im vergangenen Jahrhundert ein geschlossenes Weltdeutungssystem entwickelte.

Mystische Einsichten und Visionen erhielt er schon in frühester Jugend. So erfuhr er im Alter von 14 Jahren vor der Christus-Erlöser-Kathedrale eine Erleuchtung, die ihm tiefe Einsichten sowohl in die historische Gegenwart Russlands als auch deren Verbindung mit einigen, für unsere Wahrnehmungsorgane sonst unzulänglichen Welten gab. Obwohl er fortan wieder und wieder mystische Erfahrungen verschiedenster Art durchmachte, kam es zum ständigen Kontakt mit jenen anderen Welten aus eigentlich sehr tragischem Anlass – nämlich während seiner 10-jährigen Kerkerhaft, die er nach dem 2. Weltkrieg auf Grund von falschen Beschuldigungen antreten musste. Andrejew unternahm, begleitet von den so genannten „Freunden seines Herzens“, transphysische Reisen, oft im Schlaf, aber auch gelegentlich im Wachzustand.

Nach und nach entstand so seine „Rosa Mira“, oft auf Zeitungspapier geschrieben und erst nach seiner Befreiung zum Gesamtopus zusammengestellt (siehe dazu das Vorwort seiner Frau zur deutschen Fassung des Buches). Es entstand eine grandiose Vision der Entwicklung unserer Erde als einer Zusammenballung aus verschiedenen Arten der Materie, es entstand eine „Metageschichte“ der Menschheit, die in die Entwicklung des gesamten Universums mit einbezogen ist.

Die uns mittels unserer Wahrnehmungsorgane zugängliche Schicht bezeichnet Andrejew als Enrof. Dieser verfügt über drei Raum- und eine Zeitkoordinate. Darüber hinaus aber existieren eine Vielzahl transphysischer Schichten bzw. Welten, die sich weniger durch eine größere Anzahl räumlicher, denn durch eine höhere Anzahl zeitlicher Koordinaten auszeichnen. Alle Schichten eines Himmelskörpers (zum Beispiel der Erde), die auf bestimmte Art und Weise miteinander verbunden sind, bilden die so genannte „Bramfatura“. Die Bramfatura der Erde beherbergt auch eine Welt, wo die menschlichen Monaden ihren Aufenthaltsort haben und zwar als unteilbare, unzerstörbare geistige Einheiten, die höheren Ich der Menschen. Je weiter die jeweilige Monade (karmisch bedingt oder infolge einer Mission) absteigt, umso dichter werden ihre Hüllen. Laut Andrejew schafft sich die Monade einen „Schält“ aus der Materialität des fünfdimensionalen Raumes und einen Astralkörper aus der Materialität des vierdimensionalen Raumes. Mit der Annahme des physischen Leibes erreicht die Monade nur eine Zwischenstation auf ihrem Entwicklungsweg und setzt danach ihre transphysische Reise fort.

Andrejews System schließt einen beständigen, den ganzen Weltenbau durchdringenden Kampf zwischen den Kräften des Lichtes und den Kräften der Finsternis ein, in der christlichen Terminologie wiederum entspräche dies dem Kampf um die menschliche Seele. Aus der christlichen Metaphysik entlehnt Andrejew apokalyptische Vorstellungen vom Sieg des Antichristen, dessen Herrschaft den Untergang der Erde, aber zugleich die Läuterung und die Umwandlung unseres Planeten bedeute. In diesem Sinne sei auch keine Monade völlig verloren und eine letztendliche Vergöttlichung für jeden möglich.

Mit diesen Denkansätzen steht der Autor von „Rosa Mira“ den theosophischen und anthroposophischen Konzeptionen durchaus näher als den christlich-orthodoxen, obwohl Andrejew selbst dem christlichen Glauben in seiner Suche einen zentralen Stellenwert zuwies. Seine Betonung des weiblichen Aspektes des Göttlichen und die darauf folgende kritische Auseinandersetzung mit der männlich konnotierten christlichen Dreieinigkeit, seine Hinwendung zur beseelten Tier- und Pflanzenwelt mit dem daraus resultierenden ethischen Vegetarismus sowie seine Verwendung des Begriffs Karma weisen wiederum einen inhaltlichen Bezug zur buddhistisch-hinduistischen Tradition auf.

Die Universalität und die Originalität einer mystischen Erfahrung erschweren deren verbale Übertragung. So zeichnet sich auch „Rosa Mira“ (schon im Titel des Werkes) durch eine neue Begriffswelt aus, die auf den Leser nicht selten befremdend, doch oft genug faszinierend wirkt.



[1] Rosner, A.: Mistiki XX veka (Mystiker des 20. Jahrhunderts). Enzyklopedija. Moskwa 1996, S. 11. (Übers. des Zitats durch d. Autor).

[2] Nikitin, A.: Mistiki, rosenkrejzery i tampiery w sowetskoj Rossii (Mystiker, Rosenkreuzer und Templer in Sowjetrussland). Moskwa 2000, S. 13 (Übers. des Zitats durch d. Autor).

[3] Übersetzung des Autors

 

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